Malte WintnerAutor
Cover: Drei Schritte — Eine Novelle vom Hof

Novelle · ca. 150 Seiten · kostenlos

Drei Schritte

Eine Novelle vom Hof

Brann packt nur an, wenn jemand hinsieht. Liva hat das am ersten Nachmittag bemerkt.

Online lesen EPUB laden Eine Novelle, rund hundertfünfzig Seiten.

Worum es geht

Eine Ernte lang

Brann ist vor ein paar Tagen auf den Hof gekommen, für Bett und Essen, bis die Ernte drin ist. Er ist klug, er ist faul, und er kann Dinge so tun, als kosteten sie nichts. Wenn Hanne vom Nachbarhof herübersieht, trägt er die nassen Säcke mit einer Hand auf der Schulter. Wenn sie wegsieht, legt er sich auf den Wagen.

Liva arbeitet seit einem Jahr auf dem Hof. Sie wird nie schneller und nie langsamer, sie redet nur, wenn sie etwas zu sagen hat, und sie hat Branns Trick am ersten Nachmittag durchschaut. Sie sagt es ihm nicht ins Gesicht. Sie sagt es so, dass Hanne es hört.

Abends erzählt Brann den Kindern Geschichten aus einer weißen Stadt am Meer, in denen er jedes Mal verliert. Nur an einer Stelle lacht er nicht mit.

Dann geht die Ernte zu Ende. Am Morgen nach dem Erntefest fährt ein Wagen nach Süden, und hinten ist Platz.

Leseprobe

Wie es beginnt

Drei Schritte · Die Säcke

Der Regen hatte kurz nach Mittag aufgehört, doch unter dem Vordach der Scheune tropfte es noch von den Balken. Der Hof roch nach nassem Stroh und nach der dunklen Erde zwischen den Pflastersteinen, die so viel Wasser aufgenommen hatte, dass bei jedem Schritt Feuchtigkeit aus den Fugen trat. Zwei Wagen standen vor der Scheune. Einer war leer, auf dem anderen lagen noch ein gutes Dutzend Säcke, schwer und dunkel vom Regen, die längst im Schuppen hätten sein sollen.

Brann lehnte am Pfosten des Vordachs und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Der Pfosten war ein guter Platz. Man stand im Trockenen und sah trotzdem beschäftigt aus.

Drüben, hinter dem Zaun zum Nachbarhof, nahm Hanne die Wäsche von der Leine. Auch sie war zu spät gekommen. Die Laken hingen schwer zwischen ihren Händen, und wenn sie eines ausschüttelte, spritzten kleine Tropfen ins Gras; sie legte es zusammen, beugte sich über den Korb und griff nach dem nächsten.

Auf der Ladefläche des Wagens zog Liva einen Sack zur Kante und bekam ihn erst beim zweiten Versuch darüber. Er fiel mit einem dumpfen Schlag auf das Pflaster, kippte zur Seite, und aus der Jute rann Wasser zwischen die Steine. Liva richtete sich auf und sah zu Brann hinüber.

„Wenn du gerade so beschäftigt bist, wie du aussiehst, könnte ich Hilfe brauchen.“

Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern griff bereits nach dem nächsten Sack. Brann blieb am Pfosten, und sein Blick ging am Wagen vorbei zum Zaun, wo Hanne den Kopf über ihren Korb gebeugt hatte. Er wartete, bis sie das nächste Laken hineingelegt, sich aufgerichtet und zum Himmel gesehen hatte.

Erst da stieß er sich vom Pfosten ab.

Ohne Eile ging er zum Wagen und bückte sich nach dem Sack, den Liva hatte fallen lassen. Die nasse Jute war kalt unter seinen Fingern. Er fasste tiefer, richtete sich auf und brachte den Sack mit einer Hand auf die Schulter, als wäre er kaum schwerer als ein Bündel Stroh.

„Wohin damit?“

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Das Buch in Zahlen

Angaben

Gattung
Novelle, sechzehn Kapitel
Umfang
23 765 Wörter, rund 150 Seiten
Format
EPUB 3, geprüft und fehlerfrei
Preis
Kostenlos, ohne Anmeldung
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
Sprache
Deutsch

Dieses Buch ist eine Zusammenarbeit: Die Vision, die Figuren und jede Wendung sind meine. Die Sprache, in der sie hier stehen, habe ich Seite für Seite gemeinsam mit einer KI geformt.

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