Kapitel 014

Tee zwischen den Büchern

014 Tee zwischen den Büchern

Die Bibliothekarin betrachtete Nia.

Dann lächelte sie.

„Ich glaube, die Bücher können noch ein wenig warten.“

Nia blinzelte.

„Worauf?“

„Auf Euch.“

Die kleine Fee machte große Augen.

„Bücher warten auf Menschen?“

Die Bibliothekarin nickte.

„Die guten schon.“

Dann schloss sie ihr Buch.

„Kommt.“

Wieder.

Nia war sofort auf den Beinen.

„Diesmal zeigt Ihr uns die verbotenen Bücher?“

„Nein.“

„Oh.“

Dann folgte sie der Bibliothekarin trotzdem.

Der Wanderer ebenfalls.

Sie gingen durch die endlosen Regale.

Vorbei an Leitern.

Vorbei an schwebenden Lichtern.

Schließlich erreichten sie einen kleinen Raum.

In der Mitte stand ein runder Tisch.

Darauf:

eine Teekanne.

Drei Tassen.

Und ein Teller mit Keksen.

Dann fragte Nia:

„Wusstet Ihr, dass wir kommen?“

Die Bibliothekarin dachte nach.

„Nein.“

Lange Stille.

„Aber ich hoffe immer.“

Nia verstand das nicht ganz.

Aber sie mochte die Antwort.

Sie setzte sich auf einen viel zu großen Stuhl.

Ihre Beine erreichten den Boden nicht.

Der Wanderer blieb stehen.

Tee. Kekse. Ein runder Tisch.

Nichts davon sah nach einem würdigen Gegner aus.

Die Bibliothekarin goss Tee ein.

Dann sah sie zum Wanderer.

„Setzt Euch.“

„Warum?“

Die Bibliothekarin lächelte.

„Weil der Tee sonst kalt wird.“

Der Wanderer dachte darüber nach.

Dann setzte er sich.

Nia strahlte.

„Das macht Ihr gut.“

Der Wanderer sah sie an.

„Was?“

„Menschen treffen.“

Lange Stille.

„Das übe ich noch.“

Die Bibliothekarin musste lachen.

Dann schob sie Nia einen Keks zu.

Die kleine Fee betrachtete ihn.

„Was ist das?“

Die Bibliothekarin blinzelte.

„Ein Keks.“

Nia nickte.

Dann fragte sie:

„Und was macht man damit?“

Die Bibliothekarin sah sie über den Rand ihrer Tasse an.

„Man isst ihn.“

Die kleine Fee machte große Augen.

Ganz vorsichtig nahm sie einen kleinen Bissen.

Lange Stille.

Sehr lange.

Dann strahlte sie.

„Oh!“

Sie nahm sofort noch einen Bissen.

Dann noch einen.

Die Bibliothekarin lächelte.

Der Wanderer beobachtete die kleine Fee.

Schließlich fragte er:

„Schmeckt er, Käferchen?“

Nia sah ihn an.

Als hätte er gerade die seltsamste Frage der Welt gestellt.

„Natürlich.“

Dann brach sie den Keks in zwei Stücke.

Und hielt ihm die Hälfte hin.

„Hier.“

Der Wanderer betrachtete den Keks.

Dann die kleine Fee.

„Warum?“

Nia lächelte.

„Weil schöne Dinge besser sind, wenn man sie teilt.“

Lange Zeit sagte niemand etwas.

Dann nahm der Wanderer das halbe Stück Keks entgegen.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit

trank er Tee

mit jemandem.