Eine kleine Unmöglichkeit
010 Eine kleine Unmöglichkeit
Die Frau betrachtete Nia.
Nia betrachtete die Frau.
Sehr lange.
Dann hob die kleine Fee vorsichtig die Hand.
„Hallo.“
Die Frau blinzelte.
Dann lächelte sie wieder.
„Hallo.“
Stille.
Dann fragte Nia:
„Warum bin ich nicht möglich?“
Die Frau öffnete den Mund.
Schloss ihn wieder.
Dann öffnete sie ihn erneut.
„Das ist eine sehr gute Frage.“
Nia nickte.
„Danke.“
Die Frau musste lächeln.
Dann sah sie wieder zum Wanderer.
„Ist sie bei Euch?“
Der Wanderer dachte nach.
„Anscheinend.“
Lange Stille.
Die Frau sah wieder zu Nia.
„Wie seid Ihr hierhergekommen?“
Die kleine Fee dachte nach.
„Ich bin ihm gefolgt.“
Und zeigte auf den Wanderer.
Die Frau blinzelte.
„Das erklärt erstaunlich wenig.“
Nia nickte.
„Das sagen viele.“
Dann fragte die Frau:
„Seid Ihr eine Teilnehmerin?“
Die kleine Fee runzelte die Stirn.
„Was ist das?“
Die Frau betrachtete sie.
„Könnt Ihr Türen öffnen?“
„Nein.“
„Habt Ihr ein Zeichen?“
„Nein.“
„Hat der Tempel Euch gerufen?“
„Ich glaube nicht.“
Dann sagte die Frau ganz leise:
„Dann dürfte es Euch hier nicht geben.“
Der Wanderer verschränkte die Arme.
Er hatte Welten untergehen und wieder entstehen sehen, und nun stand er zwischen Regalen voller Bücher, die er nicht lesen wollte, und hörte zu, wie zwei Stimmen ein Ereignis daraus machten, dass etwas da war, das nicht da sein durfte.
„Sie ist hier.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Ob sie es dürfte, ist eine andere Frage. Und eine langweilige.“
Die Bibliothekarin sah ihn an.
Nicht ärgerlich.
Eher, als wüsste sie etwas, das er nicht wusste.
„Nein.“
Lange Stille.
„Das ist die einzige Frage, die zählt.“
Der Wanderer erwiderte nichts.
Nia sah zwischen den beiden hin und her.
Dann fragte sie vorsichtig:
„Bin ich in Schwierigkeiten?“
Die Frau blinzelte.
„Nein.“
Dann lächelte sie.
Ein warmes, beinahe freudiges Lächeln.
„Ich glaube, ich freue mich sogar darüber.“
Nia blinzelte.
„Wirklich?“
„Ja.“
Dann sagte die Frau:
„Nun.“
Noch längere Stille.
„Ich denke, die Bibliothek hat heute eine Überraschung bekommen.“
Nia klatschte in die Hände.
„Ich mag Überraschungen.“
Die Frau musste lachen.
Dann nickte sie.
„Ich glaube, das werde ich mir merken.“