Kapitel 018

Ein schönes Buch

018 Ein schönes Buch

Lange Zeit sagte niemand etwas.

Nia betrachtete noch immer das leere Fach.

Dann drehte sie sich zur Bibliothekarin um.

„Was macht ein Buch schön?“

Die Bibliothekarin blinzelte.

Dann lächelte sie.

„Das ist eine schwierige Frage.“

Die kleine Fee nickte.

„Die besten Fragen sind schwierig.“

Die Bibliothekarin musste lachen.

Dann dachte sie nach.

Sehr lange.

Schliesslich sagte sie:

„Manche glauben, ein schönes Buch braucht grosse Abenteuer.“
„Andere glauben, es braucht Helden.“

„Und was glaubt Ihr?“

Die Bibliothekarin sah zu den Regalen hinauf.

Dann sagte sie:

„Ich glaube, ein schönes Buch braucht Menschen, die sich verändern.“

Lange Stille.

Nia dachte nach.

Dann fragte sie:

„Muss etwas Trauriges passieren?“

Die Bibliothekarin lächelte traurig.

„Manchmal.“

„Und etwas Schönes?“

„Hoffentlich.“

Dann fragte Nia:

„Und Freunde?“

Die Bibliothekarin lächelte.

„Unbedingt Freunde.“

Die kleine Fee strahlte.

„Dann wird mein Buch schön.“

Lange Stille.

Der Wanderer hob den Blick.

Die Bibliothekarin ebenfalls.

Dann fragte sie:

„Warum seid Ihr Euch so sicher?“

Nia lächelte.

Ganz sanft.

Dann zeigte sie zuerst auf die Bibliothekarin.

Und dann auf den Wanderer.

„Weil ich schon zwei habe.“

Die Bibliothekarin sah den Wanderer an.

Der Wanderer sah das leere Fach an.

Freund.

Er hätte das Wort nie benutzt.

Aber er widersprach auch nicht.

Lange Zeit sagte niemand etwas.

Dann lächelte die Bibliothekarin.

Ganz vorsichtig.

Denn sie hatte das Gefühl,

dass in diesem Augenblick

irgendwo in der Bibliothek

eine einzige neue Seite geschrieben worden war.