Die erste Tür
004 Die erste Tür
Der Wanderer ging weiter.
Hinter ihm erklangen kleine Schritte.
Plopp.
Plopp.
Plopp.
Der Wanderer hatte aufgehört, sich umzudrehen. Er hatte festgestellt, dass es einfacher war, das Käferchen zu ertragen, als es loszuwerden.
Dann fragte Nia:
„Wohin gehen wir eigentlich?“
„Ich weiss es nicht.“
Lange Stille.
Die kleine Fee blinzelte.
„Ihr wisst es nicht?“
„Nein.“
„Und warum geht Ihr dann?“
Der Wanderer dachte darüber nach.
Dann sagte er:
„Weil der Tempel Türen hat.“
Das erschien Nia nicht besonders überzeugend.
Sie wollte gerade eine weitere Frage stellen.
Dann blieb der Wanderer stehen.
Vor ihnen befand sich eine Tür.
Sie war aus hellem Holz.
Schlicht.
Fast unscheinbar.
Und doch wirkte sie anders als die übrigen Türen.
Der Wanderer betrachtete sie.
Nia ebenfalls.
Lange Stille.
Dann fragte sie:
„Ist das eine Tür?“
Der Wanderer sah sie an.
„Ja.“
Nia nickte.
„Ich wollte nur sicher sein.“
Stille.
Dann trat sie näher.
Sie legte vorsichtig eine Hand auf das Holz.
Es war warm.
„Oh.“
Der Wanderer betrachtete sie.
„Was?“
Die kleine Fee sah zur Tür hinauf.
„Sie ist nervös.“
Der Wanderer betrachtete die Tür.
Dann Nia.
Dann wieder die Tür.
„Türen sind nicht nervös.“
Nia legte den Kopf schief.
„Diese schon.“
Der Wanderer wusste nicht, was er darauf antworten sollte.
Schliesslich legte er die Hand auf den Türgriff.
Die kleine Fee trat einen Schritt zurück.
„Gehen wir hinein?“
„Ja.“
„Wisst Ihr, was dahinter ist?“
„Nein.“
Dann lächelte Nia.
„Das ist aufregend.“
Der Wanderer öffnete die Tür — ohne Zögern, ohne sie etwas zu fragen, ohne ihr auch nur einen Augenblick zu lassen.
Warmes Licht fiel in den Gang.
Ein Wind wehte ihnen entgegen.
Er roch nach Gras.
Und nach Sommer.
Lange Zeit sagte niemand etwas.
Dann machte Nia grosse Augen.
„Oh.“
Noch längere Stille.
Dann:
„Da ist eine ganze Welt dahinter.“