Kapitel 003

Die Begleiterin

003 Die Begleiterin

Lange Stille.

Nia betrachtete den Wanderer.

Der Wanderer betrachtete Nia.

Dann hob die kleine Fee vorsichtig die Hand.

„Hallo.“

Der Wanderer nickte.

„Das ist alles?“

„Ja.“

Nia blinzelte.

„Ihr redet nicht besonders viel.“

„Nein.“

Nia musterte ihn einen Moment.

Dann strahlte sie.

„Gut. Dann rede ich einfach für uns beide.“

Zum ersten Mal runzelte der Wanderer leicht die Stirn.

Die kleine Fee streckte ihm die Hand entgegen.

„Ich bin Nia.“

Der Wanderer sah sie an, als hätte eine Fliege zu sprechen begonnen.

Die kleine Hand blieb in der Luft hängen.

„Ich heisse Nia.“

„Das habe ich gehört.“

Dann wandte er sich bereits ab.

„Trotzdem. Käferchen.“

Nia blinzelte.

„Käferchen?“
„Ich bin eine Fee.“

„Ihr seid klein, Ihr summt, und Ihr geht mir nicht von der Seite.“

Er sah auf sie herab.

„Käferchen.“

Nia dachte darüber nach.

Erstaunlicherweise schien sie das nicht zu stören.

„Na gut.“

Dann fragte sie:

„Und wie heisst Ihr?“

Der Wanderer antwortete nicht.

„Habt Ihr keinen Namen?“

Lange Stille.

„Doch.“

„Und?“

Der Wanderer zuckte mit den Schultern.

„Namen sind für Leute, die bleiben.“

Nia runzelte die Stirn.

Das erschien ihr äusserst unpraktisch.

Schliesslich lächelte sie.

„Dann nenne ich Euch einfach Wanderer.“

Es war ihm gleich.

„Wenn es Euch beschäftigt.“

Dann drehte er sich um.

Und ging weiter.

Hinter ihm ertönten kleine Schritte.

Plopp.

Plopp.

Plopp.

Er blieb stehen.

„Ihr solltet nicht hier sein.“

„Warum nicht?“

„Weil ich weitergehe.“

„Ich auch.“

Der Wanderer sah sie an.

„Es könnte gefährlich werden.“

Nia nickte.

„Das glaube ich.“

Stille.

Dann lächelte sie.

„Aber ich bin sehr neugierig.“

Die kleine Fee trat einen Schritt näher.

„Seid Ihr immer allein?“

„Allein ist das falsche Wort.“

Nia legte den Kopf schief.

„Und das richtige?“

Der Wanderer ging bereits weiter.

„Ungestört.“

Lange Stille.

Dann strahlte Nia.

„Dann störe ich eben.“

Der Wanderer blieb stehen.

Er blinzelte.

Einmal.

Dann noch einmal.

„So funktioniert das nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil Ihr mich nicht kennt.“

Nia dachte darüber nach.

Dann nickte sie.

„Das stimmt.“

Dann lächelte sie wieder.

„Dann lerne ich Euch eben kennen.“

Lange Stille.

Sehr lange.

Schliesslich wandte er sich ab und ging weiter, mit langen, endgültigen Schritten, wie jemand, der ein Gespräch beendet, indem er den Raum verlässt.

Hinter ihm erklangen erneut kleine Schritte.

Plopp.

Plopp.

Plopp.

Er seufzte.

„Ihr seid sehr hartnäckig, Käferchen.“

Die kleine Fee strahlte.

„Danke.“