Das Buch des Wanderers
016 Das Buch des Wanderers
Lange Zeit sagte niemand etwas.
Die Bibliothekarin betrachtete den Wanderer.
Dann stand sie auf.
„Ich möchte Euch etwas zeigen.“
Nia strahlte.
„Die verbotenen Bücher?“
„Nein.“
„Oh.“
Dann stand sie trotzdem auf.
Der Wanderer erhob sich ebenfalls.
Die Bibliothekarin führte sie durch die Bibliothek.
Vorbei an hohen Regalen.
Vorbei an schwebenden Lichtern.
Schliesslich blieb sie vor einem kleinen Regal stehen.
Darin standen nur wenige Bücher.
Sehr wenige.
Lange Zeit sagte niemand etwas.
Dann nahm die Bibliothekarin eines der Bücher heraus.
Es war schlicht.
Dunkel.
Und erstaunlich dünn.
Sie hielt es dem Wanderer entgegen.
„Dieses gehört Euch.“
Der Wanderer betrachtete das Buch.
Dann nahm er es entgegen.
Auf dem Einband stand nur ein einziges Wort.
Wanderer
Lange Stille.
Der Wanderer betrachtete den eigenen Namen.
Und fragte sich, wie viele Schlachten wohl darin verzeichnet waren.
Nia machte grosse Augen.
„Ihr habt ein Buch!“
Der Wanderer antwortete nicht.
Ganz langsam öffnete er den Einband.
Die Bibliothekarin legte sanft eine Hand auf das Buch.
„Noch nicht.“
Der Wanderer sah sie an.
„Warum?“
Die Bibliothekarin lächelte.
„Weil niemand sein eigenes Buch lesen sollte, solange er noch darin lebt.“
Lange Stille.
Nia blinzelte.
Sehr lange.
Dann fragte sie:
„Wir leben in Büchern?“
Die Bibliothekarin dachte nach.
Dann lächelte sie.
„Vielleicht.“
„Oh.“
Dann sah Nia das Buch an.
„Wie viele Seiten hat es?“
Der Wanderer drehte es um.
Er wog es in der Hand, ohne es zu öffnen.
Lange Stille.
Sehr lange.
Dann sagte er:
„Es sind nicht viele.“
Die Bibliothekarin lächelte.
„Noch nicht.“
Nia betrachtete das Buch.
Dann lächelte sie.
„Das ist schön.“
„Warum?“
Die kleine Fee sah zum Wanderer auf.
„Weil Eure Geschichte noch weitergeht.“