Warm und allein
Warm und allein
In der ersten Nacht konnte Nia nicht schlafen.
Das Zimmer war warm. Die Kissen waren so weich, dass sie darin versank. Nichts war laut, nichts tat weh, nichts konnte ihr hier etwas anhaben. Das Blumenmädchen hatte gesagt, sie sei in Sicherheit — und es hatte nicht einmal gelogen.
Aber Sicherheit, das lernte Nia in dieser Nacht, wohnte an einem ganz anderen Ort als das, was ihr fehlte.
Sie lag ganz still und lauschte auf das Fehlen von Dingen.
Keine langsamen, viel zu langen Schritte. Kein Brummen, das „Käferchen“ sagte, als wäre es genervt, und es doch nie war. Kein Plopp, der die Stille zerbrach. Nur der fremde Regen an der riesigen Scheibe. Er klang anders als jeder Regen, den sie kannte — er war an niemanden gerichtet.
Sie tastete über das Kissen, dorthin, wo sonst eine Schulter gewesen wäre. Ein rauer Mantel. Ein Geruch nach Staub und Wind. Eine Wärme, die er nie zugab.
Da war nur Stoff. Weich und sauber und kalt.
Nia machte sich ganz klein in der grossen, weichen Wärme, die sich falsch anfühlte. Zu weich. Zu sicher. Wie das Gegenteil von einem Mantel.
Und lauschte weiter in den fremden Regen.