Die blaue Blume
006 Die blaue Blume
Der Wanderer betrachtete die kleine blaue Blume.
Dann steckte er sie in die Manteltasche — dorthin, wo man Dinge verstaut, über die man nicht weiter nachdenken will.
Nia strahlte.
„Ihr habt sie behalten!“
„Ich habe sie nicht weggeworfen. Das ist nicht dasselbe.“
Dann fragte sie:
„Warum?“
Der Wanderer antwortete nicht.
Die kleine Fee lächelte trotzdem.
Dann gingen sie weiter.
Ein warmer Wind strich über die Wiese.
Lange Zeit sagte niemand etwas.
Dann blieb der Wanderer stehen.
„Warum folgt Ihr mir eigentlich?“
Nia blinzelte.
„Ihr habt eine Frage gestellt.“
„Ja.“
Die kleine Fee dachte nach.
Dann lächelte sie.
„Ich weiss es nicht.“
Der Wanderer sah sie an.
„Ihr wisst es nicht?“
„Nein.“
Dann hob sie die Schultern.
„Ihr habt interessant ausgesehen.“
Lange Stille.
„Interessant.“
Nia nickte.
„Ihr habt ausgesehen, als würdet Ihr etwas suchen.“
Der Wanderer sagte nichts.
Die kleine Fee sah ihn an.
Dann fragte sie:
„Tut Ihr das?“
Der Wind strich durch das hohe Gras.
Schliesslich nickte der Wanderer.
„Ja.“
„Was denn?“
Lange Stille.
Dann sagte er:
„Das weiss ich nicht mehr.“
Die kleine Fee betrachtete ihn.
Sehr lange.
Dann lächelte sie.
„Das klingt schwierig.“
Der Wanderer antwortete nicht.
Dann sagte Nia:
„Dann suchen wir es eben gemeinsam.“
Der Wanderer blieb stehen.
„Wir?“
Die kleine Fee nickte.
„Natürlich.“
„Es gibt kein wir.“
Nia dachte nach.
Dann lächelte sie.
„Noch nicht.“
Lange Stille.
„Aber niemand sollte allein nach etwas suchen.“
Lange Zeit sagte niemand etwas.
Dann ging der Wanderer weiter.
Durch die endlose Sommerwiese.
Vor ihnen lag das hohe Gras.
Über ihnen zog der warme Sommerwind.
Der Wanderer ging voraus, mit den langen Schritten dessen, dem jede Welt gehört.
Hinter ihm, mit ihren viel zu kleinen Schritten: das Käferchen.
In seiner Manteltasche: eine kleine blaue Blume.